Zehn Pfarreien beenden Vorbereitungen für Institutionelles Schutzkonzept

Vertreter aller zehn Pfarreien im Dekanat Ahlen-Beckum (Vertreter der Pfarreien St. Johannes Oelde und St. Ida Herzfeld-Lippborg fehlen auf dem Foto) haben gemeinsam mit der Präventionsfachkraft Doris Eberhardt (2. von links) Maßnahmen gegen sexualisierte Gewalt entwickelt. Foto: Bischöfliche Pressestelle/Ann-Christin Ladermann

Grenzverletzung, Übergriffigkeiten, sexueller Missbrauch – dem wollen die Pfarreien im Kreisdekanat Warendorf mit einem Institutionellen Schutzkonzept (ISK) vorbeugen, zu dessen Erstellung das Bistum Münster alle Pfarreien und Einrichtungen verpflichtet hat. Darin werden Maßnahmen festgelegt, die das Risiko sexualisierter Gewalt in den kirchlichen Einrichtungen senken und die Handlungssicherheit erhöhen sollen. Die zehn Pfarreien im Dekanat Ahlen-Beckum haben am 14. Mai einen entscheidenden Schritt in diese Richtung getan. Bereits im April vergangenen Jahres haben sie sich miteinander vernetzt, sich seitdem regelmäßig ausgetauscht und gemeinsam Ideen und Strategien entwickelt. Begleitet wurden sie von Doris Eberhardt, Präventionsfachkraft des Bistums. Das Gerüst für das Konzept, das jede Pfarrei individuell erstellt, steht. Acht der beteiligten Pfarreien werden ihr ISK bis Herbst veröffentlichen, zwei weitere im kommenden Jahr.

„Das war echte Pionierarbeit“, lobte Doris Eberhardt die Hauptamtlichen beim abschließenden Treffen in Ahlen. „Aus einem Müssen ist ein Kennen, Können und Wollen geworden.“ Bei fünf Treffen und Gesprächen haben die Verantwortlichen eine Reihe von Regeln zur Gestaltung von Nähe und Distanz, Sprache und Wortwahl zum Schutz von Kindern und Jugendlichen gegen sexualisierte Gewalt erarbeitet. Mit Leitfäden und Beschwerdewegen wurden Haupt- und Ehrenamtliche außerdem handlungssicher und sprachfähig gemacht, um Opfern von Grenzverletzungen und sexualisierte Gewalt zur Seite stehen und sie bestmöglich unterstützen zu können.
Wo gibt es in den Pfarreien Kontakt zu Kindern und Jugendlichen? Was läuft in Sachen Prävention schon gut und wo müssen Regeln und Abläufe optimiert werden? Wie können wir Prävention im Alltag umsetzen und uns gemeinsam dafür einsetzen? Diese Fragen kennzeichneten den Prozess. Dabei wurden die Mitglieder der Dekanatsgruppe von einem Hauptgedanken geleitet: „Wir möchten unser Möglichstes tun, damit unsere Räume sichere Räume sind“, betonte Pastoralreferentin Sabine Grimpe von der Ennigerloher Pfarrei St. Jakobus. Unmissverständlich kommt in dem Papier zum Ausdruck, dass die Verantwortlichen in der Pfarrei keine Grenzverletzungen im Kontakt mit Schutzbedürftigen dulden. Als „echten Gewinn“ bezeichneten die Hauptamtlichen das Vorgehen auf Dekanatsebene. Dank des vorgegebenen Zeitrahmens und bereitgestellten Materials hätten die Verantwortlichen den Prozess in der jeweiligen Pfarrei voranbringen und mit der Umsetzung beginnen können.

Pfarrer Andreas Dieckmann aus Ennigerloh hat in seiner Pfarrei eine erfreulich hohe Sensibilität für das Thema festgestellt – besonders bei jungen Menschen. „Ob Messdienerleiterrunde oder das Betreuerteam der Ferienfreizeit – die Jugend ist bereit, sich mit Prävention von sexualisierter Gewalt auseinanderzusetzen“, sagt er. So hätten die Messdiener mit Blick auf die anstehende Sozialaktion „72-Stunden“ von sich aus den Vorschlag eines Stationslaufes zum Thema Kinderrechte gemacht. Auch andere Maßnahmen seien bereits selbstverständlich, wie zum Beispiel die Teilnahme an einer Präventionsschulung oder das Vorlegen eines erweiterten Führungszeugnisses von Haupt- und Ehrenamtlichen, die bei ihrer Arbeit mit Kindern und Jugendlichen in Kontakt sind.

Für Pfarrer Thomas Linsen aus Neubeckum hat das Thema Prävention mit einer Haltung der Menschen zu tun: „Das A und O ist ein respektvoller Umgang miteinander“, sagt er. Grundsätzlich werde das Schutzkonzept in den Pfarreien positiv aufgenommen, allerdings müsse das Thema wachgehalten werden: „Das ISK muss in die Strukturen der Pfarrei einfließen. Wie das gelingen kann, werden wir in den nächsten Wochen angehen.“

Mit der Verabschiedung der Schutzkonzepte sei der Prozess nicht abgeschlossen, verdeutlichte auch Doris Eberhardt. „Das ISK muss jetzt gemeinsam mit Leben gefüllt werden, regelmäßig überprüft und gegebenenfalls angepasst werden“, gab die Präventionsfachkraft den Pfarreivertretern mit auf den Weg. Im Herbst 2020 möchten die Teilnehmenden dem Praxis- und Erfahrungsaustausch zum ISK einen Schwerpunkt in der Pastoralkonferenz des Dekanats Ahlen-Beckum widmen.Bildunterschrift:

Logo Bistum Münster