Pfarreien im Stadtdekanat Münster arbeiten vernetzt an Schutzkonzept

Vertreter der Pfarreien im Stadtdekanat Münster vernetzen sich bei der Erstellung und Umsetzung von Institutionellen Schutzkonzepten gegen sexualisierte Gewalt. Foto: Felizitas Schulte

Dass Prävention von grenzverletzendem Verhalten und sexualisierter Gewalt ein zentrales Thema ist, steht für alle Pfarreien im Stadtdekanat Münster fest. Seit 2017 arbeiten sie vernetzt an der Erstellung von Institutionellen Schutzkonzepten (ISK). Zum sechsten Mal kamen Vertreter der Pfarreien zu einem Austauschtreffen zusammen. Die ersten Pfarreien haben ihr Konzept bereits veröffentlicht und setzen es in die Praxis um, andere sind kurz vor der Vollendung: „Es ist sinnvoll, dass wir in der Stadt Münster nach standardisierten Verfahren vorgehen, uns vernetzen und voneinander lernen“, sagt Martin Grüner, Pastoralreferent in St. Marien und St. Josef.

Er ist einer von vielen haupt- und ehrenamtlich Tätigen im Bistum, die gemeinsam dasselbe Ziel verfolgen: den Schutz vor Grenzverletzungen und sexualisierter Gewalt. Zur Erstellung eines ISK hat das Bistum Münster alle Träger katholischer Einrichtungen, darunter auch die Pfarreien, verpflichtet. Seither haben im gesamten Bistum mehr als 50.000 Menschen an Präventionsschulungen teilgenommen – einer von sieben Bausteinen des ISK.

„Uns ist es wichtig, dass das ISK kein Papiertiger wird, der in einer Schublade verschwindet, sondern dass Prävention im Alltag unserer Pfarrei aktiv gelebt wird“, beschreibt Louisa Helmer, Pastoralreferentin in St. Clemens Hiltrup. Von Anfang an wurden Haupt- und Ehrenamtliche aus den Pfarreien in die Erarbeitung der Schutzkonzepte einbezogen. „Der Bedarf nach mehr Austausch, Sicherheit und Hilfe im Umgang mit Grenzverletzungen und Gewalt sowie die Bereitschaft, sich für den Schutz von Kindern und Jugendlichen stark zu machen, ist sehr groß“, weiß Doris Eberhardt. Als Präventionsfachkraft des Bistums Münster begleitet und berät sie die Pfarreien in den Regionen Münster und Warendorf bei der Erstellung der Konzepte.

„Was tun, wenn ich etwas beobachte, das mir komisch vorkommt, mir ein Kind von sexuellen Gewalterfahrungen erzählt oder ich vermute, dass jemand Täterin oder Täter ist“, formuliert Doris Eberhardt Fragen, die Haupt- und Ehrenamtliche sich stellen könnten. Die Schutzkonzepte beinhalten Handlungsleitfäden und -vorgaben für den Umgang mit Verdachtsfällen, niedrigschwellige Hilfs- und Beratungsmöglichkeiten, verbindliche Standards für alle, die in der Pfarrei arbeiten, sowie eine klare Positionierung gegenüber Grenzverletzungen und Gewalt.

Konkret zeigt sich diese Positionierung in den gemeinsam entwickelten und für alle Haupt- und Ehrenamtlichen verbindlichen Leitlinien, dem sogenannten Verhaltenskodex. „Durch die gemeinsame Erarbeitung können sich die Menschen in unserer Pfarrei damit identifizieren, wodurch wir die Gefahr eines Papiertigers minimieren“, berichtet Helmer. Über diese und weitere erste Erfahrungen, Tipps und Bedarfe tauschten sich die Pfarreivertreter aus, ein weiteres Treffen ist für April 2020 geplant.

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