Sensibel und achtsam im Umgang mit Kindern und Jugendlichen

Haupt- und Ehrenamtliche der drei Pfarreien im Dekanat Hamm-Nord haben gemeinsam mit der Präventionsfachkraft Doris Eberhardt (5. von rechts) Maßnahmen gegen sexualisierte Gewalt entwickelt. Foto: Lena-Maria Lücken

Grenzverletzung, Übergriffigkeiten, sexueller Missbrauch – dem wollen die Pfarreien im Dekanat Hamm-Nord mit einem Institutionellen Schutzkonzept (ISK) vorbeugen, zu dessen Erstellung das Bistum Münster alle Pfarreien und Einrichtungen verpflichtet hat. In dem ISK werden Maßnahmen festgelegt, die das Risiko sexualisierter Gewalt in den kirchlichen Einrichtungen senken. Die drei Pfarreien im Dekanat Hamm-Nord haben einen entscheidenden Schritt in diese Richtung getan. Bereits im März vergangenen Jahres haben sie sich miteinander vernetzt, sich seitdem regelmäßig ausgetauscht und gemeinsam Ideen und Strategien entwickelt. Begleitet wurden sie von Doris Eberhardt, Präventionsfachkraft des Bistums. Das Gerüst für das Konzept, das jede Pfarrei individuell erstellt, steht. Alle drei Pfarreien werden ihr ISK bis Ende 2019 veröffentlichen.

Bei fünf Treffen und Gesprächen haben die Vertreter der Pfarreien eine Reihe von Regeln zur Gestaltung von Nähe und Distanz, Sprache und Wortwahl zum Schutz von Kindern und Jugendlichen gegen sexualisierte Gewalt erarbeitet. Mit Leitfäden und Beschwerdewegen sollen Haupt- und Ehrenamtliche außerdem handlungssicher und sprachfähig gemacht werden, um Opfern von Grenzverletzungen und sexualisierte Gewalt zur Seite stehen und sie bestmöglich unterstützen zu können. „Das war echte Pionierarbeit“, lobte Doris Eberhardt die Ehren- und Hauptamtlichen beim abschließenden Treffen. „Aus einem Müssen ist ein Kennen, Können und Wollen geworden.“ Die Präventionsfachkraft hob außerdem das Vorgehen der Pfarreien hervor, sowohl Haupt- als auch Ehrenamtliche in den Prozess auf Dekanatsebene einzubeziehen.

Für Christoph Knuf, Pastoralreferent in der Hamm-Heessener Pfarrei Papst Johannes, liegt darin der Schlüssel: „Das Thema arbeitet im Kopf weiter, wenn etwas gemeinsam entwickelt wird“, sagt er. Die Multiplikatoren in den Prozess einzubeziehen, sei eine wichtige Voraussetzung, damit das ISK in der Pfarrei gelebt wird. Bei der Arbeit mit Vertreterinnen und Vertretern der Pfadfinder, Messdiener, Kinderbibeltage und der offenen Kinder- und Jugendarbeit hat der Pastoralreferent eine erfreulich hohe Sensibilität für das Thema festgestellt – besonders bei jungen Menschen. „Ein solches Konzept zu erarbeiten bedeutet zwar mehr Arbeit, aber allen ist bewusst, wie wichtig das Thema ist“, sagt er.

Ähnliche Erfahrungen hat Judith Schwienhorst vom Kirchenvorstand der Pfarrei Heilig Geist gemacht. Auch wenn der Prozess gerade als Ehrenamtliche „ein Kraftakt“ gewesen sei –die katholische Kirche im Bistum Münster habe sich die Präventionsarbeit auf die Fahnen geschrieben, dies gelte es zu unterstützen. „Der Schutz von Kindern und Jugendlichen vor sexualisierter Gewalt liegt uns am Herzen. Wir müssen immer wieder darüber sprechen, damit alle Haupt- und Ehrenamtlichen dafür sensibilisiert werden“, sagt Judith Schwienhorst.

Für Davis Puthussery, Pfarrer in der Pfarrei Clemens August Graf von Galen, gibt das ISK vor allem Sicherheit: „Handeln wir in dieser Situation richtig? Diese Frage stellt man sich im Umgang mit grenzverletzendem Verhalten immer wieder“, weiß er. Durch klar formulierte Regeln und Maßnahmen wie zum Beispiel das Vorlegen eines erweiterten Führungszeugnisses von Haupt- und Ehrenamtlichen, die bei ihrer Arbeit mit Kindern und Jugendlichen in Kontakt sind, oder verschriftlichte Beschwerdewege würden Haupt- und Ehrenamtliche entlastet. Für den Geistlichen steht fest: „Wir müssen achtsam werden bei diesem Thema, das ist unsere Pflicht.“

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