Präventionsschulungen für Lehrkräfte an bischöflichen Schulen starten

Bei der Vorstellung der Präventionsschulung im Christophorus-Gymnasium in Werne (von links): Schulseelsorger Klaus Hammelbeck, Beratungslehrerinnen Doris Liedtke und Anne-Susanne Möllmann-Hay, Dr. Jörgen Vogel, Michael Sandkamp und Beate Meintrup
Bei der Vorstellung der Präventionsschulung im Christophorus-Gymnasium in Werne.

Mit einer zweitägigen Fortbildung am bischöflichen Gymnasium St. Christophorus in Werne hat am 12. und 13. Januar 2015 eine Seminarreihe im Bistum Münster begonnen, die Präventionskonzepte im Umgang mit sexualisierter Gewalt in den Blick nimmt.

Schulleiter Dr. Jörgen Vogel präsentierte gemeinsam mit der Präventionsbeauftragten des Bistums Münster, Beate Meintrup, und Michael Sandkamp, der beim Bistum für die Umsetzung der neu entwickelten Schulungsform an den bischöflichen Schulen zuständig ist, die Zielsetzung: "Wir müssen ein besonderes Auge auf den Schutz der Jugendlichen haben". Die Veranstaltung am Christophorus-Gymnasium bildet den Auftakt zu Fortbildungen, die in den kommenden drei Jahren 60 bischöfliche Schulen erfassen sollen.

Nach dem Beginn der Debatte um sexuellen Missbrauch hatte das Bistum Münster mit kirchlichen Organisationen, Verbänden und Einrichtungen begonnen, Präventionskonzepte zu entwickeln. Für das besondere Umfeld von Schulen und Kindergärten wollte man noch mehr. "Es war uns wichtig, hier besondere Schulungsformen zu finden, mit denen wir Lehrer und Erzieher mit ihren speziellen pädagogischen Fähigkeiten und den Besonderheiten ihrer Einrichtungen für die schwierige Thematik des Umgangs mit sexualisierter Gewalt sensibilisieren können", erklärte Michael Sandkamp. Die Organisatoren verlassen sich dabei auf die Ehe-Familie-Lebensberatung (EFL) im Bistum Münster, die ein Team von elf Beraterinnen und Beratern für die Arbeit bereitstellt. Auch im Nachhinein finden Schulen und Kitas dort sachkompetente Ansprechpartner.

Versteckte Botschaften und Signale möglicher Opfer richtig zu deuten, um bei Bedarf schnell externe Stellen zur Unterstützung einzuschalten, das ist eines der Ziele des ausführlich und nachhaltig entwickelten Konzepts. "Es ist statistisch belegt, dass jedes Kind etwa fünf bis sieben Hilferufe absetzen muss, bis es in seiner Not tatsächlich ernst- und wahrgenommen wird", berichtete Beate Meintrup. Das liege zumeist nicht am bösen Willen der Gesprächspartner, sondern daran, dass die nötige Sensibilität fehle, oft kleine Anzeichen richtig zu erkennen. Durch gezielte Fortbildung der Lehrer soll diese Sensibilität entwickelt werden. "Schülerinnen und Schüler sollen bei uns das Gefühl haben, mit allen Anliegen und Sorgen im Hinblick auf sexualisierte Gewalt immer einen richtigen Ansprechpartner an der Schule zu finden", sagte Vogel. Aus diesem Grunde hatte er für die Fortbildung zwei komplette Schultage zur Verfügung gestellt, an denen die Kinder unterrichtsfrei hatten und die Lehrer die Schulbank drücken mussten.

Im Rahmen des Seminars konfrontierten die eigens zu diesem Zweck im Bistum ausgebildeten Moderatoren die Lehrerinnen und Lehrer zunächst in Filmeinspielern und in einer Talkrunde mit Experten mit den grundlegenden Fragestellungen von Missbrauch und sexualisierter Gewalt. Danach ging es immer wieder darum, in kleinen Arbeitsgruppen - auch an Fallbeispielen - die Sinne für ein besseres Hinsehen und Hinhören zu schärfen. Aufmerksam sein bedeute allerdings nicht, Sachverhalte überzuinterpretieren, machte Beate Meintrup deutlich: "Es gibt nicht den eindeutigen Hinweis auf Übergriffe." Vielmehr müsse man eine Gesprächskultur entwickeln, in der man im Diskurs mit Kollegen Fragen offen ansprechen und aus unterschiedlichen Indizien Hinweise gewinnen könne. Dabei müsse immer klar sein, "es kann sich um sexualisierte Gewalt handeln, es kann aber eben auch etwas ganz anderes sein".

Wichtig sei zudem, über die Lehrerschaft hinaus alle die Menschen zu erreichen, die in sonstigen hauptberuflichen oder ehrenamtlichen Tätigkeiten Kontakt mit Schülern haben. Für sie gebe es gesonderte Schulungseinheiten. "So schaffen wir durchgängig Aufmerksamkeit, vom Hausmeister bis zur Mutter, die in der Schulbücherei hilft", beschrieb Michael Sandkamp das Anliegen.

Als Ergebnis der Veranstaltung in Werne wird nun ein speziell auf die Schule zugeschnittenes Schutzkonzept erstellt. Dieses soll auch den Eltern zur Verfügung gestellt werden. Das Konzept soll außerdem Teil des Beschwerdewesens der Einrichtung sein. Beate Meintrup hofft, dass in einem zweiten Schritt noch Präventionsangebote für Kinder und Jugendliche durchgeführt werden können.

"Uns war es wichtig, im Rahmen der Fortbildung die Handlungssicherheit des ohnehin in Fragen des Umgangs mit Kindern hoch qualifizierten Personals zu erhöhen, das ist uns sicherlich gelungen", zog Michael Sandkamp ein positives Fazit. "Die bischöflichen Schulen im Bistum Münster sind mit diesem Präventionskonzept deutlich weiter, als dies in öffentlichen Schulen der Fall ist", ergänzte er. Wichtig sei es darüber hinaus, das Thema sexualisierte Gewalt und den Umgang mit ihr in der universitären Ausbildung der Lehrer und in den Seminaren der Referendarausbildung zu verankern. Hier komme es bislang viel zu selten vor.

Text/Foto: Bischöfliche Pressestelle
16.01.2015

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