Erste Pfarreien im Stadtdekanat legen Institutionelles Schutzkonzept vor

Vertreter von acht Pfarreien im Stadtdekanat haben sich vor gut einem Jahr vernetzt, um sich gegenseitig bei der Erstellung eines Institutionellen Schutzkonzeptes zu unterstützen. Foto: Doris Eberhardt
Vertreter von acht Pfarreien im Stadtdekanat haben sich vor gut einem Jahr vernetzt, um sich gegenseitig bei der Erstellung eines Institutionellen Schutzkonzeptes zu unterstützen

Grenzverletzung, Übergriffigkeiten, sexueller Missbrauch – dem wollen die Pfarreien im Stadtdekanat Münster vorbeugen. Mit einem Institutionellen Schutzkonzept (ISK), zu dessen Erstellung das Bistum Münster alle Pfarreien und Einrichtungen verpflichtet hat. Acht Pfarreien haben sich dafür vor gut einem Jahr miteinander vernetzt, sich seitdem regelmäßig ausgetauscht und gemeinsam Ideen und Strategien entwickelt. Begleitet wurden sie von Doris Eberhardt, Präventionsfachkraft des Bistums.
Als „echten Gewinn“ bezeichnen die Vertreter der Pfarreien St. Franziskus und St. Joseph Münster-Süd dieses Vorgehen. Dank des klaren Rahmens durch die Vernetzung auf der Ebene des Stadtdekanats konnten sie den Prozess der Erstellung Anfang Januar als erste Pfarreien abschließen und mit der Umsetzung beginnen. Beide haben jeweils auf mehreren Seiten präventive Maßnahmen festgehalten, damit Kinder, Jugendliche und alle Schutzbedürftigen in den Pfarreien sicher sind.
Pastoralreferent Andreas Rehm aus der Pfarrei St. Franziskus war es wichtig, nicht nur ein neues Konzept aufs Papier zu bringen: „Es geht dabei insgesamt um eine bewusste Haltung, zu der auch ein neuer Umgang mit Sexualität, mit Macht und mit Kommunikation und Feedback gehört.“ Sieben Personen, darunter Vertreter aus Kirchenvorstand, Pfarreirat, Offener Arbeit und der Pfadfinder haben mitgearbeitet, das Risiko zu minimieren, in der Pfarrei zum Opfer sexualisierter Gewalt zu werden. Gleichzeitig soll die Chance erhöht werden, im Falle eines Missbrauchs qualifizierte Hilfe zu erhalten. Der Risikoanalyse und dem Verhaltenskodex haben die Verantwortlichen die meiste Aufmerksamkeit gewidmet.

Diese Abschnitte bilden auch das Kernstück im ISK der Pfarrei St. Joseph Münster-Süd, erklärt Pastor Karsten Weidisch. „Wo gibt es bei uns Kontakt zu Kindern und Jugendlichen? Was läuft in Sachen Prävention schon gut und wo müssen Regeln und Abläufe optimiert werden? Mit diesen Fragen haben wir uns unter anderem beschäftigt“, berichtet er. Weidisch ist nicht nur die Präventionsfachkraft der Pfarrei, sondern auch Schulungsreferent zur Prävention sexualisierter Gewalt im Bistum Münster. Ihm ist es ein Anliegen, dem Generalverdacht, unter dem die katholische Kirche seit Bekanntwerden der Missbrauchsfälle steht, entgegenzuwirken: „Wir haben mehr denn je die Verpflichtung, Schutzkonzepte vorzulegen. Aber nicht nur, um zu zeigen, dass wir bei dem Thema aktiv sind, sondern zum Schutz der Kinder und Jugendlichen.“ Mit dem ISK soll eine Kultur der Achtsamkeit gefördert und das klare Signal ausgesendet werden, dass grenzverletzendes Verhalten und sexualisierte Gewalt nicht tabuisiert werden.

Das ist auch Stadtdechant Jörg Hagemann wichtig: „Neben dem persönlichen Umgang mit Betroffenen sind die institutionellen Schutzkonzepte ein Baustein im Umgang mit der gesamten Thematik“, betont er. Alle Pfarreien im Stadtdekanat würden an einem solchen Konzept arbeiten – „ein wertvoller Einsatz für ein schweres Thema“, weiß Hagemann und dankt allen Haupt- und Ehrenamtlichen, die sich in den Projektgruppen einbringen.

In den Pfarreien St. Franziskus und St. Joseph gilt es nun, das Konzept in den Pfarreialltag einzubinden. In allen Gruppen und Gremien wird es vorgestellt, auch bei den Kindern und Jugendlichen, für die die Verantwortlichen aus St. Franzikus extra eine Fassung in „Leichter Sprache“ verfasst haben. Außerdem werden Führungszeugnisse eingeholt, der Verhaltenskodex unterschrieben und Präventionsschulungen besucht. Immer wieder zur Sprache bringen, das ist die Idee der Pfarrei St. Joseph Münster-Süd. Neben Basis- und Intensivschulungen plant Pastor Weidisch in regelmäßigen Abständen dreistündige Informationsveranstaltungen zum ISK. „Daran können diejenigen teilnehmen, die nur sporadisch Kontakt zu Kindern und Jugendlichen haben, zum Beispiel als Betreuungsperson bei der jährlichen Sternsingeraktion oder bei der Bücherei-Arbeit“, erklärt er.

Die institutionellen Schutzkonzepte der beiden Pfarreien gibt es im Internet unter www.st-joseph-muenster-sued.de/aktuell/institutionelles-schutzkonzept und www.sankt-franziskus-muenster.de/isk.

Professionelle Hilfe- und Beratungsangebote im kirchlichen wie außerkirchlichen Bereich zu Fragen von sexueller Gewalt sind auf der Homepage www.praevention-im-bistum-muenster.de/praevention/beratung-und-hilfe/ zu finden.

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